(Abschrift eines Zeitungsartikels aus dem Harpstedter Spiegel, Sonderausgabe der Syker Kreiszeitung, anlässlich des 100jährigen Geburtstages der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt in 1993)

Leistungen schnell auf hohes Niveau gebracht

Darbietungen des Jugend-Spielmannszuges werden heute nicht nur in den Reihen der Feuerwehr geschätzt.

Den Jugendspielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt gab es nicht von Anfang an - sprich: seit der Gründung der Wehr. Er hat sich vielmehr aus dem 1952 unter der Leitung von Otto Niehaus gegründeten Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt entwickelt.

Seinerzeit fanden sich aktive Feuerwehrmänner zusammen, um gemeinsam zu musizieren. Einen Spielmannszug hatte es in Harpstedt schon gegeben, aber nicht aus den Reihen der Wehr. Das Jahr 1952 wird daher als Datum der Neigründung des Spielmannszuges gesehen. Mitglieder des neuen Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt hatten teilweise schon im Jahre 1950 ihren Grundlehrgang an der Landesfeuerwehrschule in Celle erfolgreich absolviert. Die Drechslerei von Dietrich Siemers (heute Langhorst) an der Großen Eßmerstraße diente zunächst als Übungsraum. Schraubstöcke und Drehbänke wurden vielfach als Trommeln benutzt! Die musikalische Leistung des Spielmannszuges konnte schnell auf ein hohes Niveau gebracht werden.

Ein besonders gutes Verhältnis entwickelte sich zur Krieger- und Soldatenkameradschaft Harpstedt, deren Kinderschützenfeste man mitgestaltete. Auch beim Bürgerschützenfest, dem Schiebenscheeten, war der der Jugendspielmannszug viele Jahre aktiv eingesetzt. In den ersten Jahren war der Spielmannszug ein reines Trommler- und Pfeifencorps. Erst im Laufe der späteren Jahre kamen die große Trommel, Becken und eine Lyra hinzu. 1968 wurden dann noch Fanfaren beschafft, und man nannte sich nunmehr "Spielmanns- und Fanfarenzug der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt".

Probleme traten 1968 auf. Die älteren Kameraden zogen sich aus dem aktiven Musikbereich zurück, und man brauchte dringend Nachwuchs. Dieser bot sich dann auch an. Von ihrem Lehrer, dem ehemaligen Konrektor Naujoks motiviert, trat fast eine ganze Schulklasse - bestehend aus Mädchen und Jungen - in den Spielmanns- und Fanfarenzug ein. Die Übungsabende wurden nun in der Turnhalle der Grundschule Harpstedt abgehalten. Dort konnte man nicht nur das Musizieren erlernen, sonder - was sehr wichtig war und auch heute noch ist - das Marschieren üben. Später wurden die Übungsabende in die Pausenhalle verlegt, wo sie bis heute (jeweils montags ab 18 Uhr) noch regelmäßig stattfinden.

Vor einigen Jahren wurde für Anfängerinnen und Anfänger die sogenannte "Kükenstunde" eingerichte. Der Umfang der musikalischen Ausbildung hat bis heute stetig zugenommen. Das die musikalische Leistung des Jugendspielmannszuges beim Publikum ankommt, zeigt die steigende Zahl der öffentlichen Auftritte auch über die Grenzen der Samtgemeinde Harpstedt hinaus. Genannt werden muß in diesem Zusammenhang unbedingt das schon traditionelle "Wecken" um 6 Uhr am 1. Maifeiertag. Viele Ständchen werden dabei auf den verschiedenen Marschrouten im Flecken dargeboten. Im Feuerwehrhaus schließt sich am Vormittag stets ein Konzert an, an dem auch das Jugendblasorchester Beckeln seit einiger Zeit teilnimmt.

Nachdem nun 1968 so viele Jugendliche dazu gekommen waren, wurde 1969 die Umbenennung akut. Man fand für den musiktreibenden Zug der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt den Namen "Jugendpielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt". Aus der Taufe gehoben wurde im Jahre 1969 die Jugendabteilung der aktiven Wehr. Die Mädchen und Jungen wurden die ersten Mitglieder der heutigen Jugendfeuerwehr Harpstedt. Nach dem Niedersächsischen Feuerschutzgesetz von 1949 war es noch nicht gestattet, Frauen und Mädchen als Mitglieder in die Freiwillige Feuerwehr aufzunehmen. Dennoch bekam in Harpstedt das "schwache Geschlecht" auch damals schon Zugang zur Wehr. Bekanntlich hinken Vorschriften oftmals den Realitäten hinterher ...

Ein besonderer Höhepunkt für den Jugendspielmannszug war dann am 25. Juli 1969 das erste öffentliche Konzert mit der Societé Musicale de Loué aus Frankreich vor dem Amtshof in Harpstedt. Dies war der Beginn einer Partnerschaft, die dem Jugendspielmannszug bis heute viele französische Freunde bebracht hat.

Bei rgelmäßigen Treffen - mal in Loué, mal in Harpstedt - wurden die erst zögerlichen Kontakte schnell zu festen Bekanntschaften und Freundschaften ausgebaut. So fuhren die Mitglieder des Jugendspielmannszuges schon häufiger nach Loué, und zwar 1970, 1976, und dann alle zwei Jahre und ab 1980 alle vier Jahre.

Fortführung:

1999

Der Spielmannszug veranstaltete im März 1999 sein 1. musikalisches Wochenende und fuhr in die Lüneburger Heide, um dort in Ruhe zu proben und zwei neue Stücke einzustudieren. Im Sommer ging es zum Landkreis Diepholz, nach Varrel zum Zeltlager. Im Oktober wurde in Harpstedt das 30. Jubiläum der Partnerschaft Harpstedt-Loué gefeiert. Auch in diesem Jahr war die Stimmung hervorragend, das gemeinsame Konzert begeisterte das Publikum. Im November beginnen 14 Schüler mit dem Flötenunterricht, die auch an dem wieder stattfindenden Musikalischen Wochenende teilnehmen. Sie sind die ersten Flötenschüler, die ausschließlich nach Noten ausgebildet werden.

2000 und 2001

Das 2. und 3. Musikalische Wochenende wurde in den Jahren 2000 und 2001 im "Schullandheim Lopshof" in Dötlingen durchgeführt.

Vom 1. bis 7. August 2001 hat der Jugendspielmannszug zusammen mit einer Abordnung der aktiven Wehr an dem traditionellen Partnerschaftsaustausch in Loué teilgenommen. Es hat allen recht viel Spass bereitet und wir freuen uns auf den Gegenbesuch, den wir im Sommer 2003 in Harpstedt erwarten.

Die Leiter des Spielmannszuges bzw. des Jugendspielmannszuges im Überblick

1. Otto Niehaus (1952 – 1962)

2. Willi Laue (1962 – 1982)

3. Horst Würdemann (1982 – 1992)

4. Heike Barlage und Frank Würdemann (1992 – 1998)

5. Sandra Wykhoff und Kerstin Wolle (1998 bis 2000)

6. Heike Barlage und Kerstin Wolle (2000)

7. Kerstin Wolle und Maik Bitter (seit 2001)

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